Internationale Übung AIOLOS ausgewertet und abgeschlossen

Ende Oktober hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) gemeinsam mit den Übungsteilnehmern die Übungssequenz AIOLOS abgeschlossen. Von der Vorbereitung bis zum Abschluss dauerte die Sequenz über zwei Jahre, mit den Höhepunkten einer internationalen Fachkonferenz im Januar 2017 und der eigentlichen Übung im Juni 2017. Als letzter grosser Block hat das BABS die Übung mit einer klar festgelegten Methodik systematisch und zielgerichtet ausgewertet.

Ende Oktober hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) gemeinsam mit den Übungsteilnehmern die Übungssequenz AIOLOS abgeschlossen. Von der Vorbereitung bis zum Abschluss dauerte die Sequenz über zwei Jahre, mit den Höhepunkten einer internationalen Fachkonferenz im Januar 2017 und der eigentlichen Übung im Juni 2017. Als letzter grosser Block hat das BABS die Übung mit einer klar festgelegten Methodik systematisch und zielgerichtet ausgewertet.

Die Übungsauswertung besteht aus verschiedenen Elementen: Während der Übung kann die Übungsregie überprüfen, ob aus den Problemstellungen die richtigen Massnahmen zeitgerecht getroffen werden. Bei einer Stabsrahmenübung, also einer Übung, bei der in erster Linie Führungsorgane trainieren und keine Aktionen durch Einsatzkräfte erfolgen, können Einsatzbefehle, Lageberichte oder Medienmitteilungen Produkte sein, welche die Übungsleitung sammeln und auswerten kann.

Eine zweite Ebene betrifft die Arbeit innerhalb und zwischen den übenden Stellen. Dafür wurden Übungsbeobachter eingesetzt, die an den verschiedenen Übungsstandorten präsent waren und die Arbeit vor Ort beobachteten. Damit diese Beobachter nicht nur ihre persönlichen Eindrücke notieren, wurden sie mit einem klaren Auftrag und einem Fragebogen ausgerüstet, nach welchem sie die übenden Stellen beobachten mussten. Die Beurteilungskriterien waren direkt aus den Übungszielen abgeleitet, welche die übenden Stellen vorab definiert hatten.Als Übungsbeobachter werden jeweils Fachleute ähnlicher Stellen hinzugezogen. Da die Übung AIOLOS binational durchgeführt wurde, wurden nicht nur Beobachtende des BABS, sondern auch solche aus deutschen Verwaltungsstellen, aus mehreren Kantonen und aus weiteren Fachstellen in die verschiedenen Stäbe entsandt. Sie alle waren vor ihrem Einsatz vom BABS speziell für die Aufgabe ausgebildet worden.

Thomas Herren präsentierte an der Abschlussveranstaltung im Landratsamt Konstanz den Teilnehmenden aus der Schweiz und aus Deutschland die Übungsauswertung.
Thomas Herren vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS leitete die Übung AIOLOS. An der Abschlussveranstaltung im Landratsamt Konstanz präsentierte er den Teilnehmenden aus der Schweiz und aus Deutschland die Übungsauswertung.

Eine dritte – und die vielleicht wichtigste – Ebene ist die Selbsteinschätzung. Die meisten Probleme und das grösste Verbesserungspotential entdecken die Übenden in der Regel selbst. Auch hier wurde auf eine einheitliche Methodik gesetzt, um die Aussagen möglichst systematisch und vergleichbar aufzunehmen. Wie oft im Bevölkerungsschutz und der Armee wurde dabei eine Tabelle mit dem Raster „Aussage – Erkenntnis – Konsequenz“ angewendet, in der das beobachtete Problem ebenso festgehalten wird wie mögliche Lösungswege.

Zu guter Letzt wurden all diese Meldungen aufgearbeitet und in einen Schlussbericht verarbeitet, der sowohl die übergeordnete Zielerreichung beurteilt als auch für jede übende Stelle (bei AIOLOS waren es sechs) Erkenntnisse aus der Übungsbeobachtung und der Selbsteinschätzung darstellt und Empfehlungen formuliert. Der Bericht zu AIOLOS wurde am 26. Oktober an der Schlussveranstaltung in Konstanz vorgestellt, die von rund hundert Übungsteilnehmenden besucht wurde.

Die Übungsleitung des BABS konnte gute Resultate vermelden, wesentliche Prozesse funktionierten auch deshalb so gut, weil sie im Rahmen der Übungsvorbereitung zwischen den beteiligten Stäben konkret diskutiert und geregelt worden waren. Insofern ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus AIOLOS diejenige, dass Übungen mit mehreren Stellen immer als ganze Sequenz zu verstehen sind, in deren Vorfeld die Auseinandersetzung mit einem Thema und die Zusammenarbeit vertieft wird. Ebenso wichtig ist es, die gewonnene Praxis und die persönlichen Kontakte nach der Übung nicht einschlafen zu lassen. Auch wenn die Arbeit für die Übungsleitung des BABS nach rund zwei intensiven Jahren abgeschlossen ist – für die Stellen, welche die Übung AIOLOS absolviert haben, geht sie weiter.

Bilder Übung AIOLOS im Juni

Ein Überblick vom Raum, in dem die Übungsleitung arbeitet.

Am 29. Juni 2017 übten die Kantone Schaffhausen und Thurgau, der deutsche Landkreis Konstanz und Schwarzwald-Baar-Kreis, das Regierungspräsidium Freiburg im Breisgau, der deutsche Zoll und das Schweizer Grenzwachtkorps die Bewältigung eines grenzüberschreitenden Orkans.

Die Übungsleitung im grossen Sitzungssaal des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis

Die Übungsleitung im grossen Sitzungssaal des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis

Die Übungsleitung im grossen Sitzungssaal des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS organisierte und leitete die Übung AIOLOS zusammen mit den deutschen und Schweizer Behörden der Grenzregion

Der Verwaltungsstab bei der Arbeit.

Der Verwaltungsstab im Landratsamt

Einsatzleute besprechen sich

In Schaffhausen hatte der deutsche Zoll und die Schweizer Grenzwache erstmals das Arbeiten in einem gemeinsamen Stab geprobt

Der Verwaltungsstab bespricht zusammen die Lage.

Quelle: https://blog.alertswiss.ch/de/rubriken/news-babs/aiolos-auswertung/

Rückblick Ski WM 2017 – Zivilschutz im Einsatz

Interview mit Adrian John, Leiter Zivilschutz Ausbildung Graubünden.
Als Rückblick auf die diesjährige Ski WM in St. Moritz, führten wir ein Interview mit Adrian John, Leiter Zivilschutz Ausbildung Kanton Graubünden und Kommandant der Einsatzkompanie Graubünden. Adrian John war während der spektakulären Alpinen Weltmeisterschaft vor Ort im Einsatz.

Adrian-John-Portrait
Adrian John, Leiter Zivilschutz Ausbildung Kanton Graubünden und Kommandant der Einsatzkompanie Graubünden

Herr John, wie lange waren Sie selber in St. Moritz im Einsatz?

Die Arbeiten begannen am 9. Januar mit dem Zivilschutz von den Kantonen Graubünden und Zürich. Ich selber war vom 6. Januar bis zum 12. Januar in St. Moritz im Einsatz. Anschliessend hatte ich Tageseinsätze zu absolvieren. Vollständig beenden werden wir den Grosseinsatz dann am 24. Februar.

Welche Aufgaben erledigte der Zivilschutz Graubünden bei der Ski WM?

Zu unseren Aufgaben gehörten die Verkehrsregelung, Zutrittskontrollen und die Parkplatzbewirtschaftung. Wir übernahmen auch die Betreuung des Busparkplatzes. Zusätzlich halfen wir den anderen Zivilschützern beim Aufbau und dem Betrieb der Wettkampfinfrastruktur.

 

Hatten Sie dafür genügend Personal?

Für alle drei beteiligten Kantone wurden insgesamt 3‘175 Diensttage vom BABS bewilligt. Wir konnten genügend Zivilschützer aus allen drei Kantonen aufbieten und somit unseren Auftrag gegenüber dem OK von der Ski WM sicherstellen.

Wie war die Stimmung in Ihrer Truppe? Ging es allen gut?

Es herrschte eine sehr angenehme und konstruktive Stimmung in St. Moritz. In der ersten Phase mussten wir einander etwas finden, was aber völlig normal ist bei solchen Grossanlässen. Danach arbeiteten wir effizient zusammen und waren extrem motiviert. Wir bekamen sehr zufriedenstellende Feedbacks von der Kantonspolizei, vom OK, von der Securitas und anderen Organisationen. Vor allem die Flexibilität des Zivilschutzes wurde sehr geschätzt. Teilweise sind die Zivilschützer von fünf Uhr morgens bis zehn Uhr abends im Einsatz.

Das Wetter ist bei einer Ski WM immer ein Unsicherheitsfaktor – auch in St. Moritz gab es zu Beginn Probleme und Verschiebungen. Wie gehen Sie damit um?

Wenn in den Bergen gearbeitet wird, muss mit solchen Unannehmlichkeiten gerechnet werden. Dementsprechend hatten wir die aufgebotenen Zivilschützer darauf vorbereitet. Es kam vor, dass einige Zivilschützer aufgrund des Wetters keine Aufträge erhielten. In solchen Situationen wurden die Zivilschützer zu der Unterkunft zurückgeschickt, um sich für den nächsten Einsatz vorzubereiten. Da mussten wir nun mal flexibel sein.

Zivilschutz-Ski-WM-2017
Die Zivilschützer stellen am VIP-Eingang den Zutritt Berechtigter sicher und weisen unbefugte Personen weg.

Gibt es auch unangenehme Aufgaben? Wie motivieren Sie die Leute, auch diese gut zu erledigen?

Unangenehme Aufgaben gab es eigentlich keine. Die zum Teil sehr langen Einsatzzeiten für einzelne Zivilschützer erforderten bisweilen mentale Stärke. Im Rahmen der Prüfung und Definition unserer Aufträge, die dem Gesetz entsprechen, wurde eine Verfügung erstellt. Wir machten also genau die Übungen, die in der Verfügung festgelegt wurden.

Der Bewilligungsprozess und die Definition der konkreten Aufgaben zuvor ist dementsprechend eine sehr wichtige Phase?

Ja, absolut. In dieser Phase sassen die Zivilschutzorganisationen der Kantone Graubünden, St. Gallen und Zürich sowie die Vertreterin des BABS und dem OK zusammen. Dieser Prozess ist extrem wichtig bei der genauen Planung der Einsätze für einen Grossevent.

In St. Moritz war auch die Armee im Einsatz; dazu natürlich weitere Sicherheitspartner wie die Polizei, der Sanitätsdienst und andere. Wie erlebten Sie die Zusammenarbeit mit diesen Organisationen vor Ort?

Unser gemeinsames Ziel war es, die Ski WM zum Erfolg zu bringen. Innerhalb der Partner wurde vorbildlich zusammengearbeitet. Täglich verfassten wir füreinander Rapporte oder hielten Sitzungen für den Austausch der Eindrücke und Erfahrungen. Nur so kommt man als Team weiter. Natürlich gibt es gelegentlich Differenzen. Wir versuchten dann einen Konsens zu finden und fortzufahren.

Die gesammelten Erfahrungen können bestimmt auch im Falle einer Katastrophe oder einer Notlage für den Zivilschutz hilfreich sein.

Der Zivilschutz Graubünden arbeitet bereits seit vielen Jahren sehr vertrauensvoll und kooperativ mit den Partnerorganisationen im Bevölkerungsschutz wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst zusammen. In St. Moritz hat sich wieder einmal gezeigt, wie gut unsere Zusammenarbeit funktioniert. Das gegenseitige Kennen ist für Notfallsituation extrem wichtig, um eine möglichst reibungslose Zusammenarbeit gewährleisten zu können.

Aus Schweizer Sicht war die Stimmung bei der Ski-WM exzellent, dank der herausragenden Leistungen der Schweizer Athletinnen und Athleten. Bekamen die Zivilschützer von der Stimmung vor Ort etwas mit?

Einige Zivilschützer arbeiteten bei den Tribünen, dem Ziel oder bei der Siegerehrung. Dort herrschte dementsprechend eine super Atmosphäre. Andere spürten die Stimmung der Zuschauer an ihren Posten, wie zum Beispiel bei den Parkplätzen oder Aussenterminals. Die Zuschauer wirkten alle sehr aufgestellt, vor allem durch die vielen Medaillen, die die Schweizer Athletinnen und Athleten gewonnen hatten.

 

Interview: Kurt Münger und Ivana Marty, Kommunikation BABS

Mehr zur Ski-WM

Ski-Weltmeisterschaften 2017: VBS zieht Bilanz

Zivilschutz unterstützt Ski-WM in St. Moritz

Rückblick SRF

Gefahren kennen: Erdbeben

Welche Gefährdungen gibt es für die Schweizer Bevölkerung? Wie könnte ein grosses Schadenereignis in der Schweiz konkret ablaufen? Welche Auswirkungen hätte dies auf Mensch, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz? Und was können Sie selber tun, um sich besser zu schützen?

Mit der nationalen Gefährdungsanalyse von „Katastrophen und Notlagen Schweiz“ schafft das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Grundlagen für die vorsorgliche Planung und Ereignisvorbereitung. In diesem Rahmen wird für jede untersuchte Gefährdung ein Referenzszenario definiert. Damit gibt das BABS wissenschaftlich fundierte und breit abgestützte Antworten auf die einleitend gestellten Fragen. Im Alertswiss-Blog informieren wir Sie regelmässig über die Ergebnisse dieser Gefährdungsanalyse.

Wir erinnern uns: Vor einem Jahr blickte die Welt mit Schrecken nach Nepal. Mehrere schwere Erdbeben erschütterten die Hauptstadt Kathmandu und die Himalaya-Region.

Kathmandu wurde durch die Beben um 1.5 Meter nach Süden verschoben und um einen Meter angehoben – dies verdeutlicht eindrücklich, welche gewaltige Energie durch Erdbeben dieser Stärke freigesetzt wird. Sie verursachen denn auch gewaltige Schäden. In Nepal starben fast 9‘000 Menschen, mehr als 22‘000 wurden verletzt. Ausserdem wurden viele bedeutende Kulturgüter zerstört oder beschädigt.

Worum geht es?

Erdbeben entstehen durch einen plötzlichen Spannungsabbau entlang von Brüchen in der Erdkruste. In der Schweiz gibt es etwa 10 bis 15 Erdbeben pro Jahr, die stark genug sind, um von Menschen wahrgenommen zu werden. Von starken Erdbeben hören wir oft nur aus der Ferne, aber auch in der Schweiz muss man mit schweren Erdbeben rechnen. Erdbeben sind unberechenbar: Ort und Stärke lassen sich nicht vorhersagen.

Ereignisbeispiele

Referenzszenario: Möglicher Ereignisablauf bei einem schweren Erdbeben

Das Referenzszenario Erdbeben geht von einem tektonischen Erdbeben mit einer Magnitude von 6.7 aus. Bezüglich Stärke liegt es also im Bereich des historischen Basler Bebens von 1356 und der Erdbeben von Kobe 1995 und L’Aquila 2009. Das Erdbeben betrifft ein stark besiedeltes Gebiet im Mittelland. Im Hauptschadenraum, das heisst im Umkreis von rund 25 km um das Erdbebenzentrum, treten zerstörende bis schwere Schäden auf. In diesem Gebiet halten sich rund 150‘000 Personen auf. Der gesamte Schadenraum umfasst einen Radius von rund 80 km; mittlere bis leichte Schäden treten also in grossen Teilen der Schweiz auf.

 

Unmittelbar nach dem Erdbeben ist die Situation im Hauptschadenraum durch Chaos, fehlende Übersicht und Selbstrettungen geprägt. Starke Nachbeben sowie Regen und tiefe Temperaturen erschweren die Rettungs- und Nothilfemassnahmen. Es dauert etwa vier Tage, bis die Lage für die Führungs- und Einsatzorganisationen im Bevölkerungsschutz überschaubar wird und der grösste Teil der betroffenen Personen zumindest mit Nothilfe versorgt werden kann. Mit Unterstützung der Behörden und der Einsatzorganisationen im Bevölkerungsschutz arbeiten die technischen Betriebe bereits kurz nach dem Erdbeben intensiv an den Reparaturen von Verkehrsverbindungen, Strom- und Telekommunikationsinfrastrukturen, der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung. Es dauert etwa sechs Monate, bis die Normalität langsam wiederhergestellt ist. Erst nach mehreren Jahren sind die zerstörten Bauten und Infrastrukturen wieder vollständig aufgebaut.

Referenzszenario: Mögliche Auswirkungen

Bei einem Erdbeben dieser Stärke in einem dicht besiedelten Gebiet entstehen im Hauptschadenraum innerhalb von wenigen Minuten enorme Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen. Insbesondere die einstürzenden Gebäude fordern zudem sehr viele Personenschäden: Es muss mit rund 3‘500 Todesopfern sowie mit 6‘000 schwer-, 14‘000 mittelschwer- und 30‘000 leichtverletzten Personen gerechnet werden. In diesen Zahlen eingeschlossen sind Personen mit psychischen Traumata, die sich nach der akuten Ereignisphase einstellen und langfristig wirken.

In den ersten Tagen und Wochen sind etwa 500‘000 Personen unterstützungsbedürftig, insbesondere da sie aufgrund der noch nicht klar beurteilten Schäden und aus Angst vor Nachbeben nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können. Längerfristig benötigen 150‘000 Personen eine provisorische Unterkunft oder müssen zu Hause mit Nahrung und Trinkwasser versorgt werden. Einschliesslich der Kosten für Einsatzkräfte, Notunterkünfte und Versorgung der Unterstützungsbedürftigen summieren sich die Kosten durch die direkten Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und sonstigen Vermögenswerten auf rund 100 Mrd. Franken.

Beschädigungen an Chemieanlagen und Abwassersystemen verursachen erhebliche Umweltschäden. Indirekte Folgen wie fehlende personelle und finanzielle Ressourcen, ein Vertrauensverlust für die Schweizer Wirtschaft und eine deutliche Abschwächung des Schweizer Frankens führen zu einer länger dauernden Reduktion der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Die betreffenden Kosten belaufen sich auf 20 bis 30 Mrd. Franken.

Risikobeurteilung und Vergleich mit anderen Risiken

Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines schweren Erdbebens in der Schweiz ist wissenschaftlich relativ zuverlässig zu bestimmen. Ein Erdbeben in der geschilderten Stärke ereignet sich in der Schweiz etwa einmal in 1000 Jahren. Mit einem Wert von deutlich über 100 Mrd. Franken ist das monetarisierte Schadensausmass sehr hoch. Von den im Rahmen von Katastrophen und Notlagen Schweiz untersuchten Gefährdungen ist das Schadensausmass nur noch beim Szenario Strommangellage vergleichbar gross. Die Gefährdung durch ein schweres Erdbeben zählt damit zu den grössten Risiken, mit welchen die Schweiz im Bereich Katastrophen und Notlagen konfrontiert ist.

Vorsorge und Verhaltensanweisungen: Was können Sie tun?

Erdbeben sind unberechenbar: Ort und Stärke lassen sich nicht vorhersagen, sie treten praktisch ohne Vorwarnzeit auf. Daher ist es von grosser Bedeutung, dass Sie wissen, wie Sie sich im Ereignisfall verhalten sollten:

  • Gehen Sie in Deckung (z.B. unter einem stabilem Tisch) und schützen Sie den Kopf.

Ebenso wichtig ist, dass Sie unmittelbar nach einem Erdbeben richtig handeln:

  • Falls ein Gebäude grössere Schäden aufweist: Verlassen Sie das Gebäude.
  • Prüfen Sie Gas-, Wasser- und Stromleitungen auf Schäden und schalten Sie diese bei Verdacht ab.
  • Seien Sie auf Nachbeben gefasst.

Nach einem schweren Erdbeben mit einem grossen Schadensgebiet sind Sie möglicherweise für einige Stunden bis Tage auf sich alleine und Ihre Nachbarn gestellt. Erdbeben können zu Versorgungsengpässen in verschiedenen Bereichen führen; lebensnotwendige Güter wie Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente und Strom sind möglicherweise für mehrere Tage nicht verfügbar.

Bereit für alle Fälle

Beachten Sie die Empfehlungen zu Notvorrat und Notfallapotheke sowie zu den Vorbereitungen betreffend Notunterkunft und Notgepäck im Alertswiss Notfallplan.

 

Quelle: https://alertswiss.ch/gefahren-kennen/gefahren-kennen-erdbeben/

Notfallschutz bei einem KKW-Unfall: Wie ist die Schweiz vorbereitet?

Wenn bei einem KKW-Unfall grosse Mengen Radioaktivität an die Umwelt abgegeben werden, hat dies sehr schwerwiegende Auswirkungen. Die KKW-Katastrophen von Tschernobyl 1986 und von Fukushima 2011 haben dies nur allzu deutlich gemacht. Vor diesem Hintergrund sind für den Fall eines möglichen KKW-Unfalls in der Schweiz umfangreiche Notfallschutzmassnahmen vorbereitet.

In der Umgebung der beiden Katastrophenreaktoren von Tschernobylund von Fukushima sind grössere Gebiete so stark radioaktiv belastet, dass die betroffene Bevölkerung evakuiert und dauerhaft umgesiedelt werden musste. Die „Sperrzonen“ markieren denn auch in allererster Linie das immense Schadenspotenzial bei einem KKW-Unfall: Dieses liegt weniger in unmittelbaren Personen- oder Sachschäden, als vielmehr im wirtschaftlichen Bereich: die grossräumige Evakuierung und Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung, die Dekontamination von Gebäuden, Infrastrukturen und Böden, der langfristige Einbruch der wirtschaftlichen Entwicklung in der betroffenen Region, der tiefgreifende Imageschaden für die Region und darüber hinaus für das ganze Land – all dies zusammengenommen kann Kosten von vielen Milliarden Franken verursachen.

Entwicklung des KKW-Notfallschutzes in der Schweiz

Im Rahmen der umfassenden, nationalen Risikoanalyse Katastrophen und Notlagen Schweiz hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABSgemeinsam mit zahlreichen Experten auch das Szenario eines schweren KKW-Unfalls in der Schweiz systematisch analysiert.

Auch wenn die schweizerischen KKW grundsätzlich als sicher beurteilt werden – das berüchtigte „Restrisiko“ bleibt doch bestehen. Es wird in den Medien und im politischen Diskurs zudem häufig als grösser wahrgenommen, als dies den gesetzlichen Vorgaben und dem wissenschaftlichen Diskurs entspricht. Vor diesem Hintergrund hat das BABS zusammen mit weiteren Behörden auf Ebene Bund und Kantone die Aufgabe, den Schutz der Bevölkerung und ihrer Lebensgrundlagen für den Fall eines schweren KKW-Unfalls in der Schweiz möglichst gut vorzubereiten. Dazu bestehen in diversen Gesetzen und Verordnungen explizite und umfassende Vorgaben.

Panorama vom KKW Tschernobyl in der Ukraine
Das KKW Tschernobyl im Juni 2013

Die Katastrophen von Tschernobyl und von Fukushima haben auch in der Schweiz dazu geführt, dass die Notfallschutzmassnahmen für den Fall eines KKW-Unfalls in der Schweiz jeweils gründlich überprüft und weiterentwickelt worden sind. Im Nachgang von Tschernobyl ist dieNationale Alarmzentrale NAZ mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet worden. In dringenden Fällen kann die NAZ seither bei erhöhter Radioaktivität in eigener Kompetenz Schutzmassnahmen für die Bevölkerung anordnen. Das Labor Spiez war nach der Katastrophe in Tschernobyl vor Ort im Einsatz. In der Schweiz wurden die Messkapazitäten für ein radiologisches Ereignis stark ausgebaut. Dies gilt sowohl für den professionellen Kern im Labor Spiez und der speziellen Milizformation der Armee, welche eine rasche personelle Verstärkung ermöglicht. Die Durchhaltefähigkeit der Probenahme- und Messorganisation des Bundes bei erhöhter Radioaktivität ist heute denn auch auf einem sehr hohen Niveau sichergestellt.

Auch die internationale Zusammenarbeit ist nach Tschernobyl wesentlich verbessert und thematisch ausgebaut worden. Der internationale Informationsaustausch bei sicherheitsrelevanten Ereignissen in einem KKW ist heute sehr gut etabliert; der Meldeprozess wird zur Vertrauensbildung in dem internationalen Netzwerk auch bei niederschwelligen Ereignissen genutzt. Die aufgeführten Kompetenzen sind zudem näher zusammengeführt worden: Sowohl die NAZ wie das LABOR SPIEZ gehören heute zum BABS. Die NAZ ist dabei in allen Bereichen als Einsatzorganisation des Bundes in die Bewältigung von Katastrophen und Notlagen einbezogen.

Explosion im KKW Fukushima am 11. März 2011
Explosion im KKW Fukushima am 11. März 2011

Nach der KKW-Katastrophe von Fukushima sind die Erfahrungen aus dem Blickwinkel des schweizerischen Notfallschutzes erneut gründlich und umfassend analysiert worden. Unter Federführung des BABS konnte 2015 dem Bundesrat das grundlegend überarbeitete Notfallschutzkonzept zur Bewältigung eines KKW-Unfalls in der Schweiz unterbreitet werden. Fachlich sind damit die erforderlichen Grundlagen vorhanden; zur Umsetzung von einzelnen geplanten Verbesserungsmassnahmen müssen im nächsten Schritt nun die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen angepasst werden.

Umfassende Notfallschutzmassnahmen vorbereitet

Oberstes Ziel aller Notfallschutzmassnahmen für den Fall eines KKW-Unfalls ist es, die Strahlenbelastung für die betroffene Bevölkerung möglichst gering zu halten. Etwas vereinfacht dargestellt sind in der Schweiz die folgenden Schutzmassnahmen konzeptionell ausgearbeitet und zur Umsetzung im Ereignisfall vorgesehen.

  • Die vorsorgliche Information der Bevölkerung: Zu diesem Zweck geben die Kantone bzw. die Gemeinden in den Zonen 1 und 2 rund um die KKW – das heisst in einem Radius von ca. 20 km – schriftliche Informationsunterlagen an alle Haushaltungen ab. Sie umfassen Hintergrundinformationen zu den Notfallschutzmassnahmen und auch eine einfache Checkliste zum richtigen Verhalten im Falle eines KKW-Unfalls.

Checkliste Richtiges Verhalten bei einem KKW-Unfall

    Checkliste Richtiges Verhalten bei einem KKW-Unfall
  • Der geschützter Aufenthalt im Haus: In der Schweiz sind die meisten Häuser solide gebaut und verfügen über einen Keller und/oder einen Schutzraum. Durch den Aufenthalt im Haus bzw. im Keller oder Schutzraum während des Durchzugs der radioaktiven Wolke kann die radioaktive Belastung massiv reduziert werden. Daher kann als eine zentrale Schutzmassnahme der Aufenthalt im Gebäude angeordnet werden.
  • Die rasche Alarmierung und Information im Ereignisfall: Zu diesem Zweck gelten für die Gemeinden in den Zonen 1 und 2 erhöhte Anforderungen zur Bereitschaft der Alarmierungssysteme.
  • Die Einnahme von Jodtabletten: Bei einem KKW-Unfall kann radioaktives Jod freigesetzt werden. In einem solchen Fall ordnen die Behörden die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten (kurz Jodtabletten) an. Die rechtzeitige Einnahme dieser Tabletten verhindert, dass sich über die Atemluft aufgenommenes radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Damit die Jodtabletten im Ereignisfall schnell verfügbar sind, sind sie in den Gemeinden im Radius von 50 km rund um die KKW an alle Haushalte, Betriebe, Schulen usw. verteilt worden. In Apotheken und Drogerien sind weitere Tabletten eingelagert, damit im Ereignisfall eine Notfallabgabe sichergestellt ist. Weitere Informationen finden Sie hier.
Kaliumiodid Tabletten der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kaliumiodid Tabletten der Schweizerischen Eidgenossenschaft
  • Die vorsorgliche Evakuierung der Bevölkerung aus dem betroffenen Gebiet: Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, bevor eine radioaktive Wolke vorüberzieht, kann die Bevölkerung aus einem gefährdeten Gebiet evakuiert werden. Dabei darf der Begriff „Evakuierung“ nicht falsch verstanden werden: Im Wesentlichen wäre dies eine Aufforderung der Behörden an die Bevölkerung, ein bestimmtes Gebiet zu verlassen. Der grösste Teil der Bevölkerung würde sich also selber evakuieren, mit eigenen Transportmitteln und an einen selbst gewählten Ort. Die Leute würden zum Beispiel zu Verwandten oder Freunden gehen oder in ein Feriendomizil. Nur mit Bezug auf besonders hilfsbedürftige Personen sowie für spezielle Einrichtungen wie Spitäler und Heime würden die Behörden die Evakuierung durch Transportleistungen aus dem Evakuierungsgebiet und die Bereitstellung von Notunterkünften ausserhalb des gefährdeten Gebiets selber umsetzen.
  • Massnahmen im Bereich der Landwirtschaft und des Lebensmittelhandels: Um zu verhindern, dass freigesetzte radioaktive Substanzen via Nahrungsmittel in den Körper gelangen, können belastete Produkte als Lebensmittel oder als Tierfutter gesperrt werden.

Flexibilität und Zusammenarbeit als Schlüsselfaktoren

Welche Massnahmen im Falle eines KKW-Unfalls tatsächlich beschlossen und umgesetzt würden, ist nicht zum Voraus definiert: Vielmehr können je nach konkreter Situation die jeweils angezeigten und möglichen Massnahmen rasch angeordnet werden. Die Führung bei der Bewältigung eines KKW-Unfalls liegt grundsätzlich auf Bundesebene. Dazu gibt es einen speziellen Katastrophenstab: den Bundesstab ABCN. Umgesetzt werden die Massnahmen dann aber zum grossen Teil von den Einsatzkräften des Bevölkerungsschutzes, d.h. insbesondere von der Polizei, der Feuerwehr, dem Zivilschutz und den betroffenen technischen Betrieben. Damit sind für die Umsetzung vor Ort im Wesentlichen die Kantone und Gemeinden zuständig.

Eine weitere wichtige Ebene der Notfallvorsorge erstreckt sich auf die Ausbildung und Übung der beteiligten Stellen: In der Schweiz wird die Bewältigung eines KKW-Unfalls von den Betreiberorganisationen der KKW und den beteiligten Behörden regelmässig und umfassend geübt. Zu diesem Zweck findet alle 2 Jahre eine „Gesamtnotfallübung“ statt. Das Szenario KKW-Unfall ist damit dasjenige Katastrophenszenario, welches in der Schweiz am intensivsten geübt wird. Die letzte GNU wurde 2015 durchgeführt.

Ein Einsatzraum der NAZ, sämtliche Arbeitsplätze sind besetzt, teils durch Zivilpersonen, teils durch Angehörige der Armee in Uniform. Sämtliche Personen tragen verschiedenfarbige Westen zur Funktionskennzeichnung.
Eindruck der GNU in der NAZ 2015

Als Fazit darf sicherlich festgehalten werden, dass die Vorbereitungen der Schweiz auf einen KKW-Unfall im internationalen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau stehen.

Auch mit der besten Vorsorge lässt sich aber kein absoluter Schutz gewährleisten. Die Frage nach dem erforderlichen Schutzgrad – und damit verknüpft: nach dem richtigen Verhältnis von Kosten und Nutzen bei den Notfallschutzmassnahmen – kann nicht auf der Ebene der Fachbehörden beantwortet werden. Dabei geht es um politische Beurteilungen, die daher auch auf politischer Ebene entschieden werden müssen.

Weitere Hintergründe und Informationen können Sie in der SRF1-Sendung „Doppelpunkt“ vom 26.04.2016 nachhören, inklusive Interview mit Benno Bühlmann, dem Direktor des BABS.

Quelle: https://alertswiss.ch/gefahren-kennen/unfall-kernkraftwerk/notfallschutz-bei-einem-kkw-unfall-wie-ist-die-schweiz-vorbereitet/

PLANAT Plattformtagung 2016

Am Mittwoch, dem 13. April 2016 fand die 3. Plattformtagung derNationalen Plattform Naturgefahren PLANAT in Biel statt. Die PLANAT ist eine ausserparlamentarische Kommission, die 1997 vom Bundesrat ins Leben gerufen wurde; sie setzt sich ein für die Verbesserung der Vorbeugung von Naturgefahren in der Schweiz.

Check-In Plattformtagung 2016
Bild PLANAT – M. Bandixen

Thema der diesjährigen Plattformtagung war die Frage: «Wie steht es ums Integrale Risikomanagement Naturgefahren?» Integrales Risikomanagement fordert, dass Naturgefahren nicht als isolierte Phänomene zu betrachten sind – stattdessen sollen ihre Folgen für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft als Ganzes betrachtet werden. Ziel der Plattformtagung war es, einen Blick auf die vergangenen Jahre zu werden und Impulse für die Zukunft zu setzen. Das Tagungsprogramm finden Sie hier.

Eintreffen an der Plattformtagung 2016
Bild PLANAT – M. Bandixen

Ein bunt gemischtes Publikum von Wissenschaftlern über Praktikern bis zu Politikern hörte zu und diskutierte mit. Bruno Spicher, der seit Januar 2016 das Amt des Präsidenten der PLANAT  innehat, zeigte bereits in der Einführung Baustellen im integralen Risikomanagement auf. Auch die nachfolgenden Referenten aus den verschiedenen Landesteilen, die aus unterschiedlichen Perspektiven über ihr Erfahrungen berichteten, wiesen auf ähnliche Hürden und Verbesserungsmöglichkeiten hin. Die einzelnen Fragestellungen wurden schliesslich in Workshops behandelt, die Teilnehmenden konnten ihre Ideen auf den Tisch bringen – sogar im wörtlichen Sinn.

Workshop Teilnehmer diskutieren
Bild PLANAT – M. Bandixen
Brainstorming auf dem Tisch
Bild BABS – P. Bossert

Lösungsansätze und positive Erfahrungen aus der Praxis wurden zum Schluss gesammelt und präsentiert. Zwei besonders aktuelle Hürden werden hier erläutert.

Problemfeld Kommunikation

Ein grosses Anliegen der Teilnehmenden war die Kommunikation – wer kommuniziert was, wann, wie und an wen. Diese Fragen müssen für jedes Projekt neu beantwortet werden. Was sind diese Fragen und warum sind sie so wichtig?

Wer ist zuständig dafür, dass Informationen richtig dargestellt werden?Wenn die Zuständigkeiten nicht festgelegt werden, können sich widersprechende Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Dies kann der Glaubwürdigkeit der kommunizierenden Stelle schaden.

Welche Informationen müssen zu welchem Zeitpunkt erhoben und bereitgestellt werden? Wenn eine Frage zu spät gestellt wird, müssen gewisse Arbeitsschritte unter Umständen wiederholt werden, was zu erhöhtem Aufwand und Mehrkosten führen kann. Hierzu das Beispiel aus Dietikon ZH, wo eigentlich bloss ein Bach verschönert werden sollte – nun aber aufgrund der festgestellten erhöhten Gefährdungslage auch der Hochwasserschutz angepasst werden muss.

Wer soll überhaupt informiert werden?: Die Verantwortlichen müssen entscheiden, wer alles in die Kommunikation einbezogen werden soll. Wenn nämlich eine bestimmte Zielgruppe vergessen wird kann dies zu erheblichen Friktionen und zu Mehraufwand führen.

Über welche Kanäle soll die Information verbreitet werden? Ob innerhalb eines Projektteams oder gegenüber der Öffentlichkeit informiert werden soll, spielt eine wichtige Rolle – in letzterem Fall eignet sich nämlich eine E-Mail nicht! Stattdessen muss die kommunikationsverantwortliche Person beispielsweise eine Medienmitteilung verfassen oder ein Radiointerview geben.

Wie wird kommuniziert? Dies ist wohl die wichtigste Frage, denn sie entscheidet darüber, ob die gewünschte Nachricht auch verstanden wird. Besonders wenn über Forschungsergebnisse informiert werden soll, entstehen vielfach Missverständnisse.

Workshop Teilnehmer hören Referat zu
Bild PLANAT – M. Bandixen

Problemfeld Interessenkonflikte

Ein Knackpunkt für erfolgreiches Integrales Risikomanagement ist die Bewältigung von Interessenkonflikten. Diese sind in jedem Projekt vorhanden – und je grösser und umfassender ein Projekt wird, desto mehr Interessen müssen berücksichtigt werden. Verschiedene Referenten haben aufgezeigt, wie die Berücksichtigung von diversen Interessen die Projektarbeit beeinflussen kann. Bei einem der vorgestellten Projekte müssen beispielweise die folgenden Interessenfelder aufeinander abgestimmt werden: Risikoreduktion, Sicherstellung der städtebaulichen Qualität, bedürfnisgerechte Freiraumgestaltung und Einhaltung von ökologischen Ansprüchen. Ein anderes Projekt muss die Risikoreduktion mit den wirtschaftlichen Interessen der Gemeinde und den gesetzlichen Auflagen der Luftfahrt unter einen Hut bringen. Dass ein Lawinenforscher, eine Versicherungsfachfrau, ein Vertreter der kantonalen Behörden und ein Hotelbesitzer nicht dieselben Anforderungen an ein Projekt stellen – das dürfte allen klar sein. Nur: Wie kann man alle mit einbeziehen? Können Kompromisse gefunden werden, die für alle annehmbar sind? Inwiefern ist die Planung und Umsetzung von Massnahmen möglich wenn so viele unterschiedliche Meinungen berücksichtigt werden müssen?

Workshop Teilnehmer diskutieren
Bild PLANAT – M. Bandixen

Schlüsselfaktor Zusammenarbeit

Fast alle dieser diskutierten Hürden lassen sich mit Zusammenarbeit bewältigen. Je umfassender, früher und einfacher die Kommunikation stattfindet, desto eher können auch alle Interessensvertreter mit einbezogen werden – und desto unwahrscheinlicher ist es, dass in einer späteren Phase der Planung oder gar erst in der Umsetzung vergessene Punkte zu Verzögerungen und Mehrkosten führen.

In einer Schlussrunde wurden die besonders wichtigen Anliegen zusammengefasst. Bessere Kommunikation mit und Einbezug der Bevölkerung in Projekte soll durch Schaffung von Instrumenten zum Feedback erreicht werden. Die Spezialisten müssen bereit sein, aus der Fachwelt herauszutreten und zu den Leuten zu gehen. Anliegen und Erkenntnisse sollen zum einfacheren Verständnis veranschaulicht werden, damit Erklärungen mit Bild- oder Videomaterial ergänzt werden kann. Der Moderator fasste es so zusammen: Damit die Kommunikation, Integration und Zusammenarbeit besser funktioniert müssen die „Soft Skills“ der Naturgefahren-Gemeinschaft gefördert und geschult werden.

Podium zur Schlussdiskussion
Bild PLANAT – M. Bandixen

Quelle: https://alertswiss.ch/rubriken/verschiedenes/planat-plattformtagung-2016-2/

Pop-Alert: Neue Instrumente für eine grenzübergreifende Krisenkommunikation

Ob Hochwasser, Chemieunglück oder Terroranschlag – im Katastrophenfall ist die möglichst schnelle und präzise Alarmierung und Information der Bevölkerung oberstes Gebot. Jede Minute Verzögerung kann Menschenleben kosten.

Die letzten zwei Jahre habe ich gemeinsam mit Schweizer und europäischen Kollegen im Forschungsprojekt Pop-Alert untersucht, wie die Krisenkommunikation der Zukunft aussehen könnte. Im Februar haben wir hierzu eine Szenario-Übung in Lissabon durchgeführt, bei der wir neue Instrumente der Krisenkommunikation testen konnten. Im Zentrum stand dabei die Nutzung zukunftsweisender Kommunikations- und Informationstechnologien für die zielgruppenorientierte und länderübergreifende Alarmierung.

Pop-Alert
Eindruck von der Übung im Februar 2016 in Lissabon

Brüssel als jüngstes Beispiel der Krisenkommunikation 2.0

Der enorm schnelle Wandel in der Mediennutzung der Bevölkerung stellt heute eine der zentralen Herausforderungen in der Krisenkommunikation dar. Während Radio, Fernsehen und Zeitung insbesondere bei jüngeren Menschen an Bedeutung verlieren, werden mobile Online-Medien immer wichtiger. Die Behörden des Bevölkerungsschutzes versuchen mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten und neue Medien für die Krisenkommunikation zu nutzen. So spielten bei den jüngsten Terroranschlägen in Brüssel Ende März die Social Media-Kanäle des nationalen Krisenzentrums und derStadtverwaltung Brüssels eine zentrale Rolle für die Verbreitung von Informationen und die Korrektur von Fehlinformation und Gerüchten.

Studien (beispielsweise die von Douglas Paton) zeigen,  dass die alleinige Übermittlung einer Warnung oder einer Handlungsempfehlung noch keineswegs garantiert, dass die Bürgerinnen und Bürger die von den Behörden beabsichtigten Verhaltensmassnahmen auch tatsächlich ergreifen. Erfolgreiche Krisenkommunikation basiert auf einem grundlegenden Verständnis der sehr unterschiedlichen Risikowahrnehmungen, Kommunikationsgewohnheiten und Informationsbedürfnissen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.

Der Grundstein effektiver Krisenkommunikation

Deshalb können je nach Alter, Bildungsstand, Herkunft usw. ganz unterschiedliche Ansätze der Krisenkommunikation zum Erfolg führen. In allen Fällen ist es unbedingt notwendig, die Kommunikationsbeziehungen zwischen Behörden und Bevölkerung bereits vor der Krise aufzubauen und so den Grundstein für effektive Krisenkommunikation zu legen. (Einige unterschiedliche Ansätze einer solchen zielgruppenorientierten Risikokommunikation habe ich letztes Jahr gemeinsam mit zwei Kollegen in einem unserer Risk & Resilience Reports untersucht.)

Das lokale Wissen fehlt

Eine besondere Herausforderung in der Krisenkommunikation in vielen Länder stellt die wachsende Mobilität innerhalb und über Landesgrenzen hinweg dar. Insbesondere bei Katastrophenereignissen in urbanen Räumen ist ein grosser Anteil der betroffenen Personen nicht dauerhaft am Ort des Geschehens ansässig. Hierzu zählen unter anderem Touristen, Geschäftsreisende, Berufspendler, Austauschstudenten und Flüchtlinge. Die Tatsache, dass die Hälfte der Opfer der Brüsseler Anschläge Ausländer waren, macht deutlich, wie heterogen die europäischen Gesellschaften (einschliesslich der Schweiz) sind. Wichtig ist dabei, dass all die genannten Gruppen gemein haben, dass sie häufig weder mit den lokalen Gefahren und dem richtigen Umgang mit ihnen vertraut sind, noch die örtlichen Behörden und deren Alarmierungssystem ausreichend kennen.

Alarmierung europäisch denken

Als logische Konsequenz aus der wachsenden Mobilität erscheint daher, die nationalen Grenzen der Krisenkommunikation zu überwinden und länderübergreifende Lösungen zu entwickeln. Ein überaus erfolgreiches Beispiel hierfür ist die Einführung der europäischen Notrufnummer 112Anfang der Neunzigerjahre. Gleichzeitig stehen die Bemühungen, die kulturelle und sprachliche Vielfalt Europas in der Krisenkommunikation zu berücksichtigen, erst am Anfang. Einen Beitrag in diese Richtung möchte das europäische Forschungsprojekt Pop-Alert leisten. Das im Frühjahr 2014 gestartete Projekt wird von der University of Greenwich (UK) geleitet und bringt insgesamt zehn Projektpartner aus sechs europäischen Ländern zusammen. Neben den akademischen Partnern sind auch Blaulichtorganisationen, kommunale Verwaltungsorgane sowie Technologiedienstleiter in der Forschungsgruppe vertreten. DasCenter for Security Studies (CSS) der ETH Zürich bringt mit dem «Risk & Resilience» Team seine Forschungskompetenz im Bereich Katastrophenvorsorge und Risikokommunikation in den Forschungsverbund ein.

Was würden Sie bei einer Evakuierung tun?

Die erste Phase des Forschungsprojekts konzentrierte sich auf die Analyse von Risikowahrnehmungen und Katastrophenvorsorge in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten. Dabei offenbarten sich deutliche Unterschiede in zahlreichen Bereichen. Zum Beispiel zeigte eine Befragung von über 1200 Bürgern aus unterschiedlichen europäischen Ländern, dass sich je nach Herkunft die Bereitschaft individuelle Vorsorgemassnahmen zu ergreifen stark unterscheidet. Auch auf die Frage, was sie bei einer Evakuierungsaufforderung tun würden, gaben die Teilnehmer sehr unterschiedliche Antworten.

Neue Plattform mit mehrfachem Nutzen

Auf Grundlage dieser Ergebnisse konnten Instrumente und Prozesse zur Alarmierung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen im Ereignisfall erarbeitet werden. Zugleich soll die Vorbereitung der europäischen Bevölkerung auf mögliche Katastrophenereignisse verbessert werden. Im Kern besteht das Konzept aus einer Online-Plattform mit unterschiedlichen Trainingsmodulen und Informationsressourcen für Behördenvertreter und die allgemeine Bevölkerung (einige der wichtigsten Verhaltenstipps sind bereits jetzt über die Webseite von Pop-Alert verfügbar.) Im Falle einer Katastrophe wechselt die Plattform in einen Alarm-Modus, der der Bevölkerung geo-basierte Informationen und Verhaltenshinweise liefert. Gleichzeitig werden die Behörden in der Lagebeurteilung und der öffentlichen Kommunikation unterstützt. Bei der Entwicklung der Instrumente wurde ein besonderes Augenmerk auf die Berücksichtigung sowohl lokaler als auch nicht-lokaler Gruppen (unter anderem Touristen oder Austauschstudenten) gelegt.

Dashboard Pop-Alert
Screenshot des Pop-Alert Dashboard während der Übung im Februar 2016

Praxistests in Lissabon und Korsika

Die von Pop-Alert entwickelten Instrumente haben wir mit Hilfe einer Simulationsübung im Februar 2016 in Lissabon getestet. Die Übung setzt das Szenario eines schweren Erdbebens in Lissabon ein.

Das Szenario orientiert sich an der realen Dreifach-Katastrophe von 1755, als ein Erdbeben vor der portugiesischen Küste einen Tsunami auslöste und tagelange Brände grosse Teile von Lissabon zerstörten. Schätzungen zufolge kostete die Katastrophe zwischen 30,000 und 60,000 Menschen das Leben.

Erdbeben Lissabon 1755
Zeichnung der Dreifach-Katastrophe in Lissabon 1755

Insgesamt nahmen 120 Personen an der eintägigen Übung teil, darunter zahlreiche Experten und Behördenvertreter. Gleichzeitig fand in Korsika eine zweite, kleinere Übung statt. Diese Übung mit 30 Teilnehmenden diente die vor allem der Verallgemeinerung der Ergebnisse. Technisch wurde die Übung unterstützt durch das Trainings-Tool Pandora, das in einem vorhergehenden EU-Projekt entwickelt worden war.

Erkennt Europa die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit?

Durch die Rückmeldungen der Teilnehmer der Übung konnten bereits erste wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, wie sich ein europäisches Alarmierungssystem verwirklichen liesse. Die endgültigen Ergebnisse werden derzeit erarbeitet; sie sollen in den nächsten Monaten vorliegen. Zugleich ist klar, dass ein Forschungsprojekt wiePop-Alert nicht mehr sein kann als ein Anstoss für stärkere internationale Zusammenarbeit und transnationale Lösungen. Langfristig wird entscheidend sein, ob die europäischen Staaten die Notwendigkeit zur verstärkten Kooperation in der Krisenkommunikation erkennen. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht noch viele weitere schreckliche Ereignisse wie jene jüngst in Brüssel braucht, um wirkliche Fortschritte zu erzielen.

Übungsbild Lissabon 2016
Eindruck von der Übung in Lissabon im Februar 2016
Übungseindruck Lissabon 2016
Eindruck von der Übung in Lissabon im Februar 2016

 

 

Quelle: https://alertswiss.ch/rubriken/verschiedenes/pop-alert-neue-instrumente-fuer-eine-grenzuebergreifende-krisenkommunikation/

Der Sirenentest 2016 aus Sicht des BABS

Der Sirenentest 2016 ist passé. Die Alarmierungsverantwortlichen bei Bund, Kantonen, Gemeinden und zahlreichen Einsatzorganisationen halfen tatkräftig mit, um alle Sirenen in der Schweiz auf ihre Funktionsfähigkeit zu testen. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie der Sirenentest 2016 im Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) über die Bühne ging und fassen die wichtigsten Erkenntnisse des Tages zusammen.sports74.ru

Die ungefähr 5000 stationären Sirenen der Schweiz wurden anlässlich des diesjährigen Sirenentests in allen Kantonen mit der neuen, vom BABS eingeführten Sirenenfernsteuerung POLYALERT ausgelöst und beobachtet.
Das System POLYALERT wurde seit Mitte 2012 in den Kantonen eingeführt. Zwar wurde es schon bei vergangenen Sirenentests angewendet, bisher jedoch noch nie in seiner Vollständigkeit. Im Herbst 2015 konnte die letzte Sirene aus dem alten System auf die neue, moderne Plattform migriert werden.Как сделать наливные полы самому

Das BABS regelt und koordiniert die Durchführung des Sirenentests auf nationaler Ebene. Es stellt den Medien und der Bevölkerung umfassende Informationen zur Alarmierung und zum Sirenentest zu Verfügung. Die Durchführung des Tests an sich ist Sache der Kantone, zusammen mit den Gemeinden und den Betreibern von Stauanlagen – das BABS löst den Sirenentest also nicht selber aus. Die Alarmierungsverantwortlichen des BABS blieben heute aber keineswegs untätig, schliesslich haben sie sich intensiv auf den heutigen Tag vorbereitet. So waren die Fachleute heute zusammen in einem Raum voller Computer und Beamer vereint, um den Ablauf des Sirenentests 2016 genauestens zu verfolgen.

Während des Tests werden die Sirenen hauptsächlich von den Einsatzzentralen der Kantonspolizeien ausgelöst. Die Sirenen können aber auch direkt an ihrem jeweiligen Standort, von den Betriebszentralen der Betreiber von Stauanlagen oder direkt bei Staudämmen ausgelöst werden.
Für die Spezialisten ermöglicht der jährliche Test eine umfassende Überprüfung des gesamten Prozesses zur Auslösung der Alarmierung und der technischen Betriebsbereitschaft des gesamten Alarmierungssystems, bis hin zur akustischen Überprüfung der Sirenen. Gleichzeitig ist der Sirenentest jeweils eine wichtige Gelegenheit, um neue Elemente in der Auslösung zu testen und einzuüben. Nur mit dem jährlichen Sirenentest können die Alarmierung vollumfänglich getestet und mögliche Probleme identifiziert werden.

Um 13:30 Uhr beginnt der Test mit der Auslösung des Allgemeinen Alarms, ausgeführt in den Einsatzzentralen aller Kantonspolizeien der Schweiz.
Die Experten verfolgen Auslösung und Rückmeldungen der Sirenen in Echtzeit. Diese technischen Informationen werden im Nachgang an den Sirenentest mit den akustischen Beobachtungen von ausgewählten Standorten verglichen.

Um 14:15 Uhr wird anhand von knapp 600 Kombi-Sirenen in den 16 betroffenen Kantonen der Wasseralarm ausgelöst.

Um 15:30 Uhr liegen alle technischen Resultate aus dem POLYALERT-System vor. Diese Informationen werden im Nachgang an den Test von den Kantonen und dem BABS im Detail analysiert und allfällige identifizierte Mängel behoben.

Am diesjährigen Sirenentest konnten 98% aller Sirenen erfolgreich ausgelöst werden.

Erstmals konnte die Funktionsfähigkeit aller stationären Sirenen über POLYALERT zentral überwacht werden.

Auch die Alertswiss-Redaktion war im Einsatz. Vor Ort haben wir live die Auslösung der Sirenen begleitet und gefilmt.

Quelle: https://alertswiss.ch/rubriken/news-babs/sirenentest-2016-babs/

Felssturz Wolhusen: Drohnengruppe leistet wertvolle Dienste

Am 11. Januar 2016 wurden die Bewohner von Wolhusen Markt (LU) durch einen gewaltigen Knall geweckt. Ein Fels war abgebrochen und in die Kleine Emme gerutscht. In der Folge wurde der Fluss gestaut und verursachte im Industriegebiet von Wolhusen Markt eine Überschwemmung. Die Zivilschutzorganisation EMME stand mit der Fachgruppe Drohne im Einsatz und lieferte den Geologen Bilder, um eine vertiefte Lagebeurteilung vornehmen zu können.berryjam.ru

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«Bitte um Rückruf wer verfügbar ist und sofort einrücken kann.»

So wurden die Eingeteilten der Fachgruppe Drohne der ZSO EMME nach dem Nothilfeeinsatz in Dierikon (LU) zu ihrem zweiten Ernstfalleinsatz aufgeboten. Nach dem Felssturz in Wolhusen Markt war eine detaillierte Aufklärung der gesamten betroffenen Sandsteinwand und insbesondere der Gesteinsmassen rund um die Abbruchkante erforderlich.

Dank mehreren Hundert Foto- und Videoaufnahmen, welche während des Einsatzes im Anschluss an das Schadenereignisses aufgenommen wurden, konnte die Arbeit der involvierten Spezialisten (Geologen, Felstechniker etc.) erheblich vereinfacht werden. Nach Aussage des verantwortlichen Geologen, Klaus Louis, sind die Aufnahmen für Auswertungen und zur Dokumentation Gold wert. Bislang musste hierfür auf einen kostspieligen Einsatz eines Helikopters, sofern diese Option auf Grund der Platzverhältnisse überhaupt zur Verfügung stand, zurückgegriffen werden.

Innerhalb von weniger als zwei Stunden nach Alarmierung nahmen die Zivilschützer am Schadenplatz auf Anweisung des verantwortlichen Einsatzleiters ihre Arbeit auf. Der Flug wird von drei speziell ausgebildeten Angehörigen des Zivilschutzes durchgeführt: Der Pilot ist für die Flugbewegungen der Drohne verantwortlich. Eine zweite Person bedient an Hand der in Echtzeit auf den Boden übertragenen hochaufgelösten Bildern die um 360-Grad schwenkbare Kamera. Eine dritte Person steht ununterbrochen in Kontakt mit dem Piloten und überwacht die Witterungsverhältnisse sowie allfällige Bewegungen innerhalb des Flugraumes und auf dem Boden.

Weitere Bilder der Fachgruppe Drohne gibt’s hier.

Dank dem Einsatz von GPS, GLONASS sowie optischen Stabilitätssensoren als Positionierungssysteme behält die Drohne selbst bei Windböen bis auf wenige Zentimeter genau ihre Position. Die modulare Bauweise erlaubt den Einsatz verschiedener Kamerasysteme (Wärmebild etc.), welche zusammen mit auf die Lichtverhältnisse angepassten Linsen eine optimale Bildqualität (4k Video / 12Mpx Foto) sicherstellen. Der eingesetzte Gimbal (3-Achsen-Stabilisator) sorgt für eine stabile Kameraführung während dem Flug.

Die Fachgruppe Drohne wurde vor rund eineinhalb Jahren vom Kommando der ZSO EMME ins Leben gerufen. Sie unterstützt die Aufklärungsarbeiten der Abteilung Führungsunterstützung, welche als Leistungserbringerin des kantonalen Führungsstabes auch bei Einsätzen ausserhalb des Schutzgebietes zum Einsatz kommt, sowie die zahlreichen Partnerorganisationen bei der Bewältigung von Schadenereignissen. Major Armin Camenzind, Kommandant der ZSO EMME, ist überzeugt, dass die Fachgruppe Drohne auch inskünftig für die Führungsunterstützung wertvolle Dienste leisten kann und wird.

Oberleutnant Mario Härdi, Abteilungschef Führungsunterstützung, legt bei der Auswahl besonderen Wert auf die Technikaffinität sowie die Feinfühligkeit der Zivilschützer. Doch nicht nur der Umgang mit der Drohne selber erfordert das notwendige Augenmass. Auch die Einschätzung der Wetterverhältnisse sowie die Wahrung der Privatsphäre müssen mit der notwendigen Sorgfalt erfolgen. Daneben muss die geltende Verordnung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt BAZL jederzeit eingehalten werden. Die Eingeteilten der Fachgruppe Drohne werden dazu zweimal jährlich an Wiederholungskursen mit den aktuellsten Theoriegrundlagen vertraut gemacht und sammeln an Hand von Übungsszenarien Praxiserfahrung. Viele Kollegen sind zudem auch privat begeisterte Drohnenpiloten.

Neben den Aufnahmen für die Fachspezialisten entstanden beim Einsatz in Wolhusen Markt auch die folgenden eindrücklichen Videoaufnahmen:

Felssturz: Steine flogen bis zu 200 Meter weit, Luzerner Zeitung 11.1.2016

Geologe Klaus Louis: «So etwas habe ich noch nie gesehen», 20 Minuten 11.1.2016

Gebäudeschäden von über einer Million Franken, NZZ 12.1.2016

Drohnen sollen weitere Katastrophen verhindern, 20 Minuten 14.1.2016

Kälte-Einbruch begünstigt die Aufräumarbeiten, 20 Minuten 18.1.2016

Bildergalerie der ZSO Emme, Facebook

Einsatzbericht der Feuerwehr Wolhusen

 

Quelle: https://alertswiss.ch/partnernetzwerk/einsatzorganisationen/felssturz-wolhusen/

Gesamtnotfallübung 2015: Impressionen aus der NAZ

Im September 2015 übten die Nationale Alarmzentrale, der kantonale Führungsstab Solothurn, das Kernkraftwerk Gösgen und das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI gemeinsam den Notfall in einem Schweizer Kernkraftwerk. Flurin Simeon-Babuin fungierte erstmals als Einsatzleiter der NAZ. Hans Probst von der Ausbildung BABS schaute ihm dabei als Übungsbeobachter über die Schulter.Достоинства и недостатки домов из простого и оцилиндрованного бревна и профилированного бруса

Flurin Simeon-Babuin: Das Pikett der Nationalen Alarmzentralen NAZ ist rund um die Uhr erreichbar und handlungsfähig. Es kann bei Bedarf alle Mitarbeiter der NAZ alarmieren, worauf diese in die Führungsanlage einrücken. Anlässlich der GNU waren dies wohl mehr Leute als in einem Echtfall – zu Ausbildungszwecken wollen wir natürlich, dass möglichst viele unserer Leute mittrainieren können.

Hans Probst: Uns Übungsbeobachter hat beeindruckt, wie effizient und konzentriert die NAZ ans Werk geht. Die Mitarbeitenden erstellen ruhig und effizient die Einsatzbereitschaft, während der Einsatzleiter und das Pikett besprechen, was vorgefallen ist und was als nächstes zu tun ist.

Flurin Simeon-Babuin: Die Startphase endet mit dem Orientierungsrapport, bei dem alle Anwesenden informiert werden, was Stand der Dinge ist. Wir kamen in der GNU rasch zu einem guten, schnellen Orientierungsrapport.

Flurin Simeon-Babuin: Damit war ich noch nicht ganz zufrieden. Die Rapporte dauerten manchmal zu lange, und es waren Informationen dabei, die ich gar nicht benötigte. Aber es wurde halt auf allen Positionen ausgebildet – das führt dazu, dass manchmal noch nicht so prägnante Beiträge erfolgen und teilweise eine Lagebeurteilung fehlte. Für mich als Einsatzleiter ist es eine Herausforderung, die wichtigsten Informationen herauszufiltern und zu erkennen, wo ich handeln und entscheiden muss. Bei den Rapporten mit anderen Stellen gilt es, eine gemeinsame Sprache zu finden und auf’s Wesentliche zu konzentrieren. Telefonkonferenzen sind für viele Leute ein ungewohntes, schwieriges Medium.

Hans Probst: Hier haben auch wir noch Verbesserungspotential erkannt. Die im Voraus angekündigte Traktandenliste sollte von sämtlichen beteiligten Personen strikte befolgt werden. Während den Präsentationen sollten sich alle auf das jeweilige Traktandum sowie die Schwerpunkte der jeweiligen Situation konzentrieren und sich auf führungsrelevante Informationen beschränken.Auch Fragen des Einsatzleiters sollten kurz und prägnant beantwortet werden.

Flurin Simeon-Babuin: Besonders zufrieden war ich mit der Änderung, dass die Repräsentanten der verschiedenen Führungsgrundgebiete (die verschiedenen Abteilungen des Stabes) neu farbige Westen tragen. Das hat mir geholfen, die Übersicht zu behalten, wer meine Ansprechpartner sind und wer als Übungsbeobachter im Einsatzraum war.

Hans Probst: Der Führungsraum der NAZ hat über die letzten Jahre eine Entwicklung durchgemacht, wurde in verschiedenen Belangen erneuert und ist heute übersichtlich und funktional gestaltet. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen der Infrastruktur und der guten und strukturierten Zusammenarbeit im Führungsraum. Wir hatten den Eindruck, die Leute fühlten sich wohl in diesem Raum.

Hans Probst: Flurin Simeon-Babuin hat seinen Job sehr gut gemacht und den Einstand als Einsatzleiter der NAZ souverän gemeistert. Er hatte den Mut, Entscheidungen zu treffen und machte diese für die beteiligten Personen verständlich. Darüber hinaus musste und konnte sich Flurin Simeon-Babuin einige Male durchsetzen und verstand es, dies auf eine gewisse Art zu tun, damit es von allen Seiten akzeptiert werden konnte.

Flurin Simeon-Babuin: Ich hatte ein tolles Team an meiner Seite, aber es gibt noch viel zu lernen. Das Wichtigste – dass wir mit unseren Partnern eine Übersicht über die Lage gewannen und rechtzeitig die notwendigen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung auslösen konnten – ist gelungen. Es ist mir wichtig, weiter Erfahrungen zu sammeln, in meiner Ausbildung und in Übungen wie dieser GNU. Dabei ist es mir auch ein Anliegen, mich mit den Einsatzleitern der anderen Stellen regelmässig auszutauschen, denn im Einsatzfall einander persönlich zu kennen verschafft einen Vorsprung und erleichtert die Kommunikation ungemein.

In unserem Blogbeitrag zum Szenario der Gesamtnotfallübung 2015 finden Sie übrigens weitere Impressionen und interessante Hintergrundinformationen.

Quelle: https://alertswiss.ch/gefahren-kennen/unfall-kernkraftwerk/gnu15-impressionen-naz/

Zukunft im Zivilschutz: Flexiblere, attraktivere Dienstpflicht

Der Zivilschutz soll auch in Zukunft auf die Bewältigung von Katastrophen und Notlagen ausgerichtet bleiben. Der aktuelle Bericht zur Zukunft von Bevölkerungsschutz und Zivilschutz sieht aber Anpassungen der Strukturen sowie Neuerungen für Schutzdienstpflichtige im Zivilschutz vor. Vorgesehen sind etwa ein flexibles Dienstpflichtalter und die Möglichkeit einer Einteilung in einem anderen Kanton. Zudem soll sich der Dienst im Zivilschutz finanziell stärker lohnen.ir-leasing.ru

Nach der Grundausbildung sollen die meisten Schutzdienstpflichtigen im Zivilschutz bleiben, bis sie insgesamt 240 Tage Ausbildungsdienst geleistet haben, im Minimum weitere 11 Jahre. Vorgesehen ist, dass sie pro Jahr für maximal 40 Ausbildungstage aufgeboten werden können. Somit wäre es für Schutzdienstpflichtige grundsätzlich – wie für Armeeangehörige – möglich, 240 Tage Ausbildungsdienst zu leisten. Wer 240 Ausbildungsdiensttage geleistet hat, soll aus dem Zivilschutz entlassen und von der Wehrpflichtersatzabgabe befreit werden.Visual Cage

Dienstpflicht für Mannschaft und Unteroffiziere

Für Mannschaftsangehörige und Unteroffiziere würde somit ein flexibles Dienstpflichtalter entstehen. Die insgesamt 12 Jahre Dienstpflicht könnten zwischen dem 19. und dem 37. Altersjahr absolviert werden. Auf kantonalen oder interkantonalen Stützpunkten besteht gar die Möglichkeit, dass Zivilschutzangehörige den Dienst als Durchdiener an einem Stück leisten.

Für höhere Unteroffiziere und Offiziere sollen, was die Ausbildung anbelangt, die gleichen Obergrenzen gelten: maximal 40 Tage pro Jahr. Sie sollen jedoch nicht vor dem 37. Altersjahr aus dem Zivilschutz ausscheiden.

Dienstpflicht für höhere Unteroffiziere und Offiziere

Zur Erhöhung der Attraktivität von Kaderlaufbahnen erhalten Offiziere und höhere Unteroffiziere in Kaderkursen des Zivilschutzes, gleich wie in der Armee, eine Soldzulage.

In Zukunft soll es möglich sein, den Schutzdienst in einem Nachbarkanton zu absolvieren. Zwar werden die Schutzdienstpflichtigen bei der Rekrutierung dem Wohnsitzkanton zugewiesen. Ist der Bedarf eines Kantons aber gedeckt, sollen weitere Schutzdienstpflichtige einem Kanton mit Unterbestand zugewiesen werden. Wer bis zum Ende eines Rekrutierungsjahres nicht zugewiesen ist, soll in einen nationalen Personalpool kommen. Die Planer beabsichtigen damit, dass regionale Unterbestände kompensiert werden können. Grundsätzlich teilen die Kantone die Schutzdienstpflichtigen in die regionalen Zivilschutzorganisationen und in die kantonalen Stützpunkte ein. Der Kanton, in dem der Zivilschutzangehörige eingeteilt ist, sorgt auch für die Ausbildung.

Bei der Wehrpflichtersatzabgabe sollen künftig alle Ausbildungsdienste nach der Rekrutierung bis zum Ende des 37. Altersjahrs angerechnet werden. Gleichzeitig soll sich die Ersatzabgabe für jeden im Ersatzjahr geleisteten Tag Schutzdienst neu um 5 Prozent ermässigen. Damit würde die Wehrpflichtersatzabgabe entfallen:
– in einem Jahr bei einer Dienstleistung von 20 Tagen und
– insgesamt nach 12 Jahren bei 240 Diensttagen.
Konkret ist vorgesehen, dass ein Zivilschutzangehöriger die fehlenden Diensttage (bis insgesamt 240 Tage) nachholen kann. Nach der Erfüllung der Gesamtdienstleistungspflicht erhält er die bezahlte Wehrpflichtersatzabgabe zurück. Mit diesen Änderungen nimmt der Umsetzungsbericht eine Vorgabe von Bundesrat und Parlament (Motion Müller) auf.

Nach der Rekrutierung sollen die Angehörigen des Zivilschutzes spätestens bis zum Ende des 26. Altersjahrs eine funktionsbezogene Grundausbildung von mindestens 10 Tagen und eine Verbandsgrundausbildung von 5 Tagen absolvieren. In der Verbandsgrundausbildung wird das Gelernte gefestigt und der Einsatz in einer Lehrformation geübt. Die Verbandsgrundausbildung soll auch den angehenden Kadern dazu dienen, ihre in der Kaderausbildung erlernten Führungskompetenzen anzuwenden.

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Für Spezialfunktionen wie Fahrer oder Rettungspionier ist eine Zusatzausbildung vorgesehen, deren Dauer jeweils von den zu lernenden Inhalten abhängt. Mit der Abschaffung der bisherigen Funktion Spezialist sollen die Grundfunktionen ein breiteres Einsatzspektrum erhalten. Dies erhöht die Effizienz in der Ausbildung und die Flexibilität im Einsatz.

Mehr zu den vorgesehenen Neuerungen für Angehörige des Zivilschutzes finden Sie hier.

Im Mai 2012 hat der Bundesrat den Bericht verabschiedet, der die Strategie für den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz für die Zeit nach 2015 festlegt. Ziel ist es, die technik-, natur- und gesellschaftsbedingten Katastrophen und Notlagen noch effizienter und wirksamer bewältigen zu können. Zudem wird angestrebt, die Interessen und Bedürfnisse von Bund und Kantonen in Einklang zu bringen. Um die im Bericht skizzierten Massnahmen für die Weiterentwicklung umsetzen zu können, haben zwei Projektteams einen Bericht zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes und des Zivilschutzes erarbeitet und Anfang Herbst 2015 den Kantonen und den weiteren beteiligten Stellen zur Konsultation vorgelegt.

 

Quelle: https://alertswiss.ch/rubriken/news-babs/zukunft-im-zivilschutz/